BAmberger Thema

Stadtrat macht wieder Geld
für elitären Hochglanzdruck locker
2.08.2011
Kultur, Aktuelles, Peter Gack, BA-Thema, Soziales
Der Stadtrat hat kein Geld übrig, um Men-
schen mit geringem Einkommen Zugang zu
Kultur zu ermöglichen (Kultursozialticket),
aber für den feinen Hochglanz-Veranstaltungs-
kalender mit fragwürdigem Nutzen fließt der
Rubel ungebremst.

Den Veranstaltungskalender für Stadt und Landkreis gibt es seit dem Jahr 2006 auf Papier und im Internet. Eigentlich eine gute Sache, möchte man meinen. Aber während andere Monatszeitungen mit ausführlichen Veranstaltungsteil ihre Kosten eigenständig über Werbeeinnahmen decken und keine Steuergelder bekommen, verlangt der private Kooperationspartner der Stadt für den städtischen Veranstaltungskalender einen Zuschuss von Stadt und Landkreis in Höhe von insgesamt sage und schreibe 59.500 Euro pro Jahr. Eine fette Summe!!!

Die Stadt trägt davon die Hälfte - seit Jahren. Obwohl es bei der Einführung des Kalenders noch hieß, dass der Zuschuss hauptsächlich für die Anfangsinvestitionen notwendig sei, mittelfristig sollte sich der Veranstaltungskalender – wie andere auch – selber tragen. Davon will man jetzt aber nichts mehr wissen. Der Kooperationspartner hat es sich anscheinend auf dem Zuschuss-Ruhekissen gemütlich gemacht und verspürt keinen Anreiz, mehr Werbung einzufahren, um den Zuschuss aus Steuermitteln zu reduzieren.

Die GAL sieht das anders. Erstens wollte die GAL, dass der städtische Zuschuss aus dem Budget des ohnehin reichlich mit Mitteln versorgten Tourismus und Kongress Service gedeckt wird, schließlich nutzen vorrangig die Touristen diesen Veranstaltungskalender, die BambergerInnen nutzen eher die Tageszeitung und die bekannten Monatszeitungen. Selbst die Verwaltung schreibt in ihrem Sitzungsvortrag, dass im Jahr der Landesgartenschau eine höhere Auflage geplant ist, und es ist klar, für welche Zielgruppe: TouristInnen.

Und zweitens wollte die GAL die Vereinbarung erreichen, dass der Zuschuss in den nächsten Jahren Schritt für Schritt abgeschmolzen und dann auf Null gesetzt wird, so wie es ja einmal ursprünglich vorgesehen war. Der städtische Anteil sollte um jährlich 10.000 Euro schrumpfen. Aber die Mehrheit im Finanzsenat ließ sich von solchen Vorschlägen nicht begeistern und lehnte den GAL-Antrag ab.

Während der Stadtrat es also ablehnt, Menschen mit geringem Einkommen über ein Kultursozialticket Türen zu Theater, Museen usw. leichter zu öffnen (dafür wären 20.000, wenn überhaupt, nötig gewesen), gibt er 30.000 Euro frei für öffentlich finanzierte schicke Broschüren, die sich wiederum an gut betuchte (zumeist nicht einmal Bamberger) BürgerInnen wenden.

Wer glaubt, dass das Sparen, welches im Bereich „Jugend und Soziales“ immer groß geschrieben wird, im Stadtrat auch auf andere Politikfelder angewandt wird, der irrt gewaltig. Soziales hat im Vergleich zu „Pracht und Prunk“ keine STARKE Lobby im Stadtrat.

Peter Gack

Öffnet externen Link in neuem FensterUnser Bericht über die Ablehnung Kultursozialticket im Stadtrat




www.kultur.bamberg.de

Titelbild des offiziellen Veranstaltungskalenders von Stadt und Landkreis Bamberg, August 2011.


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