BAmberger Thema

Spielhallenfieber in Bamberg ausgebrochen? 20.09.2011
Aktuelles, BA-Thema, Ursula Sowa, Soziales, Bauen+Denkmal, Klatsch+Tratsch
In Bamberg gibt es überdurchschnittlich
viele Spielhallen. Das soll zukünftig anders
werden. Ein Anfang ist schon mal gemacht.
Ein Spielhallenchef zog seinen Bauantrag
zurück, weil die CSU das gar nicht schick
fand - es handelte sich um den CSU-MdB
Hans Michelbach.

Bericht aus dem Stadtrat

Spielhallen waren das Thema im letzten Bausenat. Eine GAL-Anfrage wurde über ein Jahr lang von der Verwaltung bearbeitet und stand nun auf der Tagesorndung der Bausenatssitzung. Zahlen über Zahlen. Wir hatten gefragt, wie es mit der Entwicklung der Spielhallenszene in und um Bamberg steht. Und: Könnte ein interkommunales Abstimmungskonzept hilfreich sein, die Spielhallenflut einzudämmen bzw. zu regulieren?

Die Antwort war ernüchternd: In Bamberg scheint ein regelrechtes Spielhallenfieber ausgebrochen zu sein. An 31 Spielstätten im Stadtgebiet können SpielerInnen mittlerweile ihrer Spiellust - oder Spielsucht - frönen. Seit dem Jahr 2006 haben sich die Spielorte verdreifacht, und was besonders traurig ist, Bamberg hat überdurchschnittlich viele Spielstätten. Rechnet man im Land Bayern mit 387 EinwohnerInnen pro Spielautomat, so sind es in Bamberg etwa 245.

Da kann auch nicht darüber hinwegtrösten, dass das Ordnungsamt darauf hinweist: „Die Spielhallen des 21. Jahrhunderts haben nichts mehr gemein mit dem früheren Flair der Spielhallen (verraucht, diesig, sozial einfach strukturiertes Publikum)." Fakt ist: „Mehr Spielhallen produzieren mehr Spieler.“ (Bayerische Akademie für Suchtfragen). Soweit waren sich die Mitglieder des Senates auch einig: Die Entwicklung ist betrüblich. Einzig und allein der SPD-Fraktionsvorsitzende Kuntke sprach von Bamberger peanuts im Vergleich zu den globalen Internetangeboten.

Dass wir mit einer solchen Verharmlosung in Bamberg nicht weiterkommen, sah die Mehrheit dann nach dem Redebeitrag der GAL doch ein. Die Verwaltung wird tätig werden und ihre bauleitplanerische Befugnis anwenden. Wir sind gespannt auf die nächste Vorlage, die Spielstätten in bestimmten Bereichen der Stadt Bamberg, auch in Gewerbegebieten, nicht mehr zulassen will. Für ein interkommunales Konzept (gemeinsam mit Hallstadt !!!!) - wie es die GAL für sinnvoll hielt – war die Verwaltung jedoch nicht zu erwärmen. Der Oberbürgermeister hat sich ganz rausgehalten.


Eine erfreuliche und ebenso amüsante Mitteilung gab am Rande der Debatte: Der Bauantrag auf eine neue Spielhalle an der Hallstadter Straße - es wäre die 32te gewesen -, konnte vereitelt werden. Nicht, weil die Stadt Bamberg das versagt hätte. Nee, der Spielhallenchef selbst zog den Antrag zurück. Es handelte sich nämlich um den Coburg/Kronacher CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach. Da prallte wohl der schwarze Bundespolitiker mit den kommunalen Schwarzen zusammen. Die Bamberger CSU hatte nämlich ein halbes Jahr nach der GAL auch einen Antrag in gleicher Sache gestellt. Und da hätte es schon ziemlich unelegant ausgesehen, hätte der Kumpan aus den eigenen Reihen seine einarmigen Banditen mitten in die politische Debatte platziert.

Ursula Sowa



Uwe Steinbrich pixelio.de


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