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Spitzfindige Zahlenschieberei für Brose-Wünsche 26.07.2013
Finanzen, Aktuelles, Peter Gack, BA-Thema
Die Mehrheit des Stadtrats stimmte dafür,
dass die Namensrechte der Arena künftig
von der Firma Brose wahrgenommen werden.
Aber weil Brose-Chef Stoschek nichts ohne
besondere Zusatzwünsche macht, heißt das
vor allem massive Investitionen für die Stadt.

Hintergrund

Diese Wünsche kosten insgesamt 3,47 Mio Euro, die so finanziert werden: 2,47 Mio Euro Kreditaufnahme durch die Arena Gmbh (städtisches Tochterunternehmen als Halleneigentümer/-betreiber), 400.000 Euro aus dem Stadthaushalt, 600.000 Euro von der Oberfrankenstiftung.

 

Das Geschäft sieht also so aus:

  • Für die Namensrechte erhält die Stadt von Brose mehr Geld als bisher von der Firma Stechert, nämlich 150.000 Euro jährlich mehr (zugesichert für fünf Jahre).

Im Gegenzug bekommt die Halle auf Brose-Wunsch u. a. folgende Attraktivitätssteigerungen:

  • 500.000 Euro für eine Neubestuhlung der Arena, obwohl die alte Bestuhlung noch funktionsfähig ist.
  • 300.000 Euro für einen Videowürfel, obwohl auch mit der bisherigen Technik alles gesehen wurde.
  • 100.000 Euro für eine Neumöblierung der Pilipp-Lounge
  • 75.000 Euro für eine Teilmöblierung der Oddset-Lounge
  • 500.000 Euro für die Errichtung einer Lagerhalle

Als die Halle vor knapp drei Jahren gekauft und die Arena GmbH gegründet wurde (gegen die Stimmen der GAL), hat niemand den StadträtInnen gegenüber geäußert, dass auch nur eine dieser Maßnahmen in naher Zukunft notwendig sein würde. Ganz im Gegenteil, auf Nachfrage wurde erläutert, dass erstmal keine größeren Investitionen (außer dem laufenden Bauunterhalt) anstehen würden. Stellt sich also die Frage: Hat man damals gelogen? Oder sind das samt und sonders überflüssige Luxuswünsche des Brose-Chefs?

 

Wie lautet der Finanzierungsplan der Stadt?

  • Kreditaufnahme eines langfristigen Darlehens in Höhe von 1,77 Mio mit einer Laufzeit von 23 Jahren
  • Aufnahme eines kurzfristigen Darlehens in Höhe von 700.000 Euro mit einer Laufzeit von 10 Jahren
  • Die Zins- und Tilgungskosten auf Grund dieser Darlehen belaufen sich jährlich auf ca. 210.000 Euro. Man beachte demgegenüber: Die Mehreinnahmen der Stadt aus der Überlassung der Namensrechte an Brose (150.000 Euro jährlich) sind nur für fünf Jahre garantiert! Dass der Oberbürgermeister dies als Gegenfinanzierung hinstellt, ist also lächerlich, da nach fünf Jahren komplett unsicher.
  • Außerdem verzichten die Gesellschafter der Hallen GmbH (Stadtbau GmbH und Stadtwerke) auf die Tilgung des von ihnen für den Kauf der Halle gegebenen Darlehens. Sie verzichten damit auf jährlich 28.200 Euro, welche die Arena Gmbh zahlen müsste und nun stattdessen für die Bedienung des neuen Darlehens verwendet. Das alte Darlehen von Stadtbau/Stadtwerken bleibt einfach unbedient und wird bis auf weiteres hintangestellt. Der Verzicht von Stadtbau und Stadtwerken erfolgt einfach so, ohne jeglichen Gegenwert.
  • Außerdem zahlt die Stadt über fünf Jahre aus dem Stadthaushalt jährlich 80.000 Euro (= 400.000), um die oben genannten Investitionen zu finanzieren.


Pikantes Detail, das der OB gerne übergeht

Für das Darlehen an die Arena Gmbh verlangt die Sparkasse (oder auch jede andere Bank) eine besondere Sicherheit, z. B. in Form einer Bürgschaft der Stadt oder einer Tochter. Warum?

Das ist leicht nachzuvollziehen: Jeder vernünftige Geschäftsmann stimmt die Art der Finanzierung mit der Art der Investition ab. D.h. kaufe oder baue ich ein Haus, dann kann diese Investition auch langfristig (z.B. über 23 Jahre) erfolgen; kaufe ich ein Auto, so darf der Kredit dafür nicht länger laufen als die Lebensdauer für dieses Auto. D.h. keine Bank gibt mir für eine Anschaffung, die vielleicht 10 Jahre nutzbar ist, einen Kredit mit einer Laufzeit von 23 Jahren.

Aber bei den Investitionen der Brose-Arena ist genau das der Fall. Damit die jährlichen Tilgungsraten nicht zu hoch ausfallen, hat man sich für ein langfristiges Darlehen entschieden. Aber die Maßnahmen, die zu finanzieren sind, halten zum Teil nur fünf, acht, zehn oder vielleicht zwölf Jahre. Dann sind sie verbraucht und es sind wieder Neuanschaffungen nötig – obwohl die alte Anschaffung noch gar nicht abbezahlt ist.

Das ist alles andere als seriös und nachhaltig. Der OB gibt zwar oberflächlich betrachtet im Moment weniger Geld aus (jährlich „nur“ 210.000 Euro zur Bedienung des Darlehens an die Arena Gmbh, die er mit den 150.000 Euro gegenrechnet, macht jährlich 60.000 Euro), aber noch nach seiner Amtszeit werden die BambergerInnen Stühle abbezahlen, auf denen sie gar nicht mehr sitzen können.

Demgegenüber sind wie gesagt die Mehrerlöse von 150.000 Euro pro Jahr vertraglich nur für fünf Jahre gesichert. Wenn diese wegbrechen und die Arena Gmbh den Ausfall nicht selbst finanzieren kann, tritt der Bürgschaftsfall ein: Stadt oder Tochterunternehmen der Stadt (je nachdem, wer letztendlich bürgt) würden dann das gesamte Darlehen abbezahlen müssen müssen.

 

Prognose: Was in fünf Jahren sein wird

Wenn 2018 die Mehrzahlungen von Brose für die Namensrechte auslaufen, wird die bekannte Leier von neuem los gehen. Es wird heißen: Damit wir eine Vertragsverlängerung mit Brose hinbekommen und der Bürgschaftsfall nicht eintritt, müssen wir jetzt die neuen Wünsche von Brose erfüllen und neues Geld nachschieben. Und was dann danach ist, interessiert die meisten StadträtInnen und vor allem den OB eh nicht mehr – sie sind dann längst nicht mehr im Stadtrat bzw. auf dem OB-Sessel. Aber jede neue Runde geht auf Kosten künftiger Generationen.

Peter Gack



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