Überfüllung am Rande des Leerstands

Die bevorstehende Unterbringung von Asylsuchenden in der Flynn-Area zeigt die Schizophrenie sowohl der Konversions- als auch der Asylpolitik.

 

Die ersten Häuser der Flynn-Area, deren Öffnung von vielen Wohnungssuchenden in Bamberg sehnsüchtig erwartet wird, werden wohl im Herbst 2015 erstmals neu bezogen – von Flüchtlingen. Insgesamt vier Häuser hat der Freistaat als Gemeinschaftsunterkunft (GU) für Asylsuchende vorgesehen und bereitet sie derzeit versorgungstechnisch (Strom, Wasser, Gas) darauf vor bzw. baut die darin befindlichen Wohnungen um. Davon sollen zwei mit Flüchtlingen belegt werden, zwei gehören als Reserve zum bayerischen Notfallplan.

Flynn-Area, hier sollen Flüchtlinge untergebracht werden. Foto: Erich Weiß

 

Damit erfüllt sich ungefähr das, was die GAL zusammen mit einer ganzen Reihe von prominenten BambergerInnen vor einem Jahr in einer Petition an die Entscheidungsträger forderte, als die Erstaufnahmeeinrichtungen in München und Zirndorf aus allen Nähten platzten und Hilfe suchende Menschen in Garagen, Zelten und auf Betonboden nächtigen mussten.

Gut so! Natürlich sollen Flüchtlinge menschenwürdig untergebracht werden. Vor allem, wenn genug Platz da ist, wenn sofort nutzbare Wohnungen leer stehen und dieser Leerstand auch noch dem Gebäude schadet. Besonders schnell ging’s zwar nicht gerade, aber immerhin haben Freistaat, Regierung von Oberfranken und Stadt Bamberg in diesem Sinne gehandelt. Und auch der Bamberger Stadtrat zeigte beachtliche Offenheit und Aufnahmebereitschaft.

Aber auch: Schlecht so! Denn wieder werden Flüchtlinge an den Stadtrand abgesondert. Wieder werden sie zu Hunderten konzentriert untergebracht, wieder auf 7 Quadratmetern pro Kopf – und das vermutlich auf längere Zeit und eben nicht nur vorübergehend. Und leider stehen Wohnungen auf dem Konversionsgelände noch immer nicht für hiesige Wohnungssuchende zur Verfügung, obwohl auch das von der Stadtspitze für Sommer 2015 versprochen wurde. Genau das birgt die Gefahr, dass die einen (Flüchtlinge) gegen die anderen (Einheimische) ausgespielt werden, was sozialen Neid, Ungerechtigkeitsempfinden und letztlich Rassismus nährt. Unnötigerweise, denn es wäre genug Platz für alle da. Dafür, dass es der Stadtbau GmbH bislang nicht gelungen ist, Häuser zu übernehmen und als Mietwohnungen auf den Markt zu bringen, erschließt sich kein vernünftiger Grund.

Abgesehen von echten Notfallunterkünften bei sprunghaft ansteigenden Flüchtlingszahlen ist das bayerische Konzept der zentralen Heimunterbringung, für das bald auch die Flynn-Houses genutzt werden, schlichtweg ineffektiv und antiquiert. Anderswo werden Flüchtlinge in normalen Wohnungen einquartiert, womit der Staat – für die meisten mag das erstaunlich sein – in der Regel billiger fährt als mit Gemeinschaftsunterkünften. Welche Bezahlung genau der Freistaat mit der Eigentümerin der Konversionsflächen BImA ausgehandelt hat, ist nicht bekannt, aber üblicherweise werden ca. 20 bis 25 Euro pro Flüchtling und Tag gezahlt, also 600 Euro im Monat (auch wenn oft genug mehrköpfige Familien in nur einem Zimmer wohnen).

Zudem zwingt der Freistaat per Verordnung die Flüchtlinge auch noch dazu, besonders lange in den Heimen zu wohnen. Ausziehen darf man bzw. muss man, wenn das Asylverfahren mit einer Anerkennung beendet wird, was Jahre dauern kann. Ist das Asylverfahren zwar negativ beendet, aber man kann nicht abgeschoben werden (Krankheit, kein Pass, humanitäre Gründe) muss man als Einzelperson auf eine Auszugserlaubnis noch einmal vier Jahre lang warten, nur Familien mit Kindern dürfen dann sofort ausziehen.

sys