Bamberg wird erneuerbar …
wenn alle an einem Strang ziehen

 

Die Bundestagskandidatin Lisa Badum wirft einen Blick auf die Energiewende vor Ort und stellt fest: Das Potential ist da – es muss nur endlich genutzt werden.

 

Wer sich in der bayerischen Energieszene umhört, ist sich sicher: Der Landkreis Bamberg ist spitze! Die Regionalwerke und der Klimaschutzmanager Robert Martin holen sich einen Preis nach dem anderen ab. Da verleiht BMW eine stattliche Flotte i3-E-Autos für den Landkreis. In der Lokalpresse häufen sich Fotos von örtlichen Promis mit Klima-Allianz-Logo im Hintergrund. Was steckt dahinter?


Car-Sharing im Umland – nichts dahinter!

Als ich mit Gerhard Schmid, Grünen-Kreisvorsitzender Bamberg-Land, über Car-Sharing im Landkreis spreche, ist das ernüchternd. Es gibt zwar so etwas wie Car-Sharing rund um Bamberg, aber nur ein paar Kommunen beteiligen sich. Sie stellen einige auch als Dienstfahrzeuge genutzte E-Autos zur Verfügung, man kann sie für je einen vollen Tag ausleihen. Doch die dafür nutzbare Online-Plattform ist kaum bekannt und exotisch. Und den Schlüssel für das Auto kann man ohnehin nur im Amt zu den Öffnungszeiten abholen und zurückgeben. Flexible und intelligente Mobilität nur von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr? So funktioniert keine Verkehrswende 2.0.

Schmid greift deshalb lieber gleich auf das Bamberger Car-Sharing-Angebot „MeiAudo“ zurück. „Als Ländler finde ich es schade, dass Stadt und Land nicht zusammenarbeiten, davon würden beide Seiten und der Klimaschutz profitieren“, so Schmid. Ein einfacher erster Schritt wäre für ihn, den Bamberger Landkreis in „MeiAudo“ einzubinden. Vorteile: Online 24 Stunden am Tag das Auto buchen, abholen und abgeben!

Regionalwerke – auf Dauer ausgebremst?

Ein gemeinsames Projekt sollten auch die 2012 gegründeten Regionalwerke Bamberg sein. Sozusagen die Krönung der 2008 ins Leben gerufenen Klimaallianz mit dem Ziel, Bamberg bis 2035 energieautark zu machen. Alle arbeiten zusammen: Stadt und Landkreis Bamberg, die Stadtwerke und immerhin 31 Kommunen aus dem Landkreis. Die Idee ist gut, nur Ökokraftwerke konnten bisher noch keine gebaut, Projekte noch nicht verwirklicht werden.
Und warum? Die politischen Rahmenbedingungen bremsen die Erneuerbaren in ganz Deutschland aus, ganz besonders der CSU-Seehofersche Sonderweg einer 10H-Abstandsregel für Windräder. Diese verhindert nicht nur das lange geplante Windkraft-Projekt bei Brunn/Heiligenstadt, sondern auch alle anderen möglichen Windkraftanlagen. Laut einer Studie gäbe es im Bamberger Umland immerhin ein Standortpotential für 100 Windräder.

Es war aber auch falsch, sich so lange nur auf den letztlich gescheiterten Bürgerwindpark Brunn zu konzentrieren. Möglichkeiten, sich breit aufzustellen, gäbe es genug: Mieterstrom, Nahwärme, Energienutzungspläne …

Doch um die Regionalwerke auf Trab zu bringen, bräuchte es mehr als die halbherzig-träge Resignation der dafür verantwortlichen Politik in Stadt und Landkreis.

Stadtwerke – visionär in die Zukunft

Was Hoffnung macht: Die Bamberger Stadtwerke denken weiter. Ihr Energie- und Verkehrskonzept für die Konversionsfläche Lagarde-Kaserne will nichts weniger als 100 Prozent Erneuerbare Energien! Die Smart City sieht so aus: Wo möglich, wird an Dächern und Fassaden Solarstrom produziert. Dieser speist nicht nur die Haushalte, sondern auch die gemeinsam genutzten Elektroautos. Auch Wärme und Kälte sollen vor Ort im Stadtteil erzeugt und verteilt werden. Ein automatisiertes Energiemanagement sorgt für Effizienz und sparsamen Energieverbrauch. Eine tolle Vision –Grüne werden alles daran setzen, dass sie Wirklichkeit wird.

Wenn Stadt und Land an einem Strang ziehen, schaffen wir die Klimaziele.

Lisa Badum

   

Klimawandel global und vor Ort

 

Es wird heiß auf dem Planeten. Zu heiß. Diesen Sommer brach ein etwa eine Billion Tonnen schwerer Eisberg, fast siebenmal so groß wie Berlin, vom Eisschelf Larsen C in der Antarktis. Das ist alarmierend!

Werfen wir einen Blick auf Bayern. Laut Landesamt für Umwelt ist das Jahresmittel der Lufttemperatur in Bayern mit rund 1,1° C seit 1931 stärker gestiegen als der globale Wert von 0,7° C. Eisberge können sich hier nicht lösen, doch zunehmende Erwärmung und längere Dürreperioden machen sich anderweitig bemerkbar.
In Bamberg führte die anhaltende Hitze im Juni zu einer erhöhten Ozonkonzentration im Stadtgebiet. Laut Umweltamt wurde bereits die kommunale Vorwarnstufe von 160 Mikrogramm pro Kubikmeter leicht überschritten.

Und die Hitze sorgte auch für Trockenheit in der Stadt. Laut Gartenamt verzeichnete man zwischen Juli 2016 und Ende Juni 2017 ein Niederschlagsdefizit von etwa 230 Liter/m2/Jahr. Das ist eine Reduktion von über einem Drittel und ließ die Bäume in der Stadt „quasi auf dem Trockenen“ sitzen.

Künftig werden diese Wetterextreme noch gravierender. Und uns muss klar sein: Es ist höchste Zeit zu handeln! Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu spüren bekommt. Und wir sind gleichzeitig die letzte, die extreme Schäden noch verhindern kann. Schrecken wir nicht zurück und sorgen wir für erneuerbare Energiegewinnung, emissionsarme Mobilitätsformen und nachhaltige Landwirtschaft – rechtzeitig und global!

aei